Gesellschaft für Phytotherapie e.V. veranstaltete erfolgreich das 2. Modul der Fortbildungsreihe für Ärzte und Apotheker

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Nachdem im Frühjahr 2015 erfolgreich das 1. Modul der Fortbildungsreihe „Phytopharmaka und Phytotherapie“ durchgeführt wurde (siehe ZPT 2015; 36: 75–76) fand vom 06.-08.11.2015 das 2. Modul "Phytopharmaka und Phytotherapie" wiederum im Lindner Sport & Aktiv Hotel Kranichhöhe, Much/Bergisches Land statt.

Die wissenschaftliche Leitung übernahm dieses Mal Frau Prof. Karen Nieber (Vorsitzende des wiss. Kuratoriums der GPT) zusammen mit Herrn Prof. Jost Langhorst (Mitglied des wiss. Kuratoriums der GPT). Die Organisation lag in den Händen von Frau Cornelia Schwöppe (Schatzmeisterin der GPT). 19 Ärzte und Apotheker aus Deutschland und Österreich hatten sich für das 2. Modul angemeldet.

Nach dem Einführungsvortrag „Gehören Phytopharmaka auf die PRISCUS-Liste “ (Prof. Nieber, Leipzig) war das Thema des ersten Tages "Phytopharmaka in der Gastroenterologie". Prof. Jost Langhorst (Leitender Arzt des Bereichs Integrative Gastroenterologie der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte) erklärte grundlegende Mechanismen gastrointestinaler Störungen wie Reizdarmsyndrom, Obstipation und Diarrhoe. Durch klinische Studien ist bei diesen Erkrankungen der Einsatz von Phytopharmaka oftmals sehr sinnvoll, da sie eine große therapeutische Breite und wenig Nebenwirkungen haben, so dass z.B. Iberogast® in die Leitlinien aufgenommen wurde. Der Nachmittag wurde mit dem Vortrag „Phytotherapie in Europa“ (Prof. Werner Knöss, Leiter der Abteilung Besondere Therapierichtungen und traditionelle Arzneimittel beim BfArM) fortgesetzt.  Er erklärte, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen um ein neues Arzneimittel zuzulassen und welche Besonderheiten es bei den Phytopharmaka gibt. Trotz des etwas theoretischen Themas, gab es hierzu viele interessante Diskussionen. Der erste Tag endete mit einer fakultativen Abendveranstaltung, in der ein Imagefilm der Kooperation Phytopharmaka GbR Bonn über Anbau, Verarbeitung bis zum Weg in die Apotheke von pflanzlichem Material gezeigt wurde.

Der zweite Tag begann mit dem Thema „Phytopharmaka bei Leber- und Gallenerkrankungen“ In zwei Vorträgen referierte Herr Dr. Ralf-Torsten Pohl (ehemals Leiter Scientific Affairs, Madaus GmbH) über die Anwendung von Phytopharmaka bei diesen Erkrankungen. Sowohl Wirkungsmechanismen als auch klinische Studien wurden vorgestellt. Der erfahrene Wissenschaftler berichtete über persönliche Erfahrungen beim Umgang mit pflanzlichen Arzneimitteln und nannte Nebenwirkungen und Interaktionen. In einer nachfolgenden Diskussionsrunde wurden in interaktiven Gesprächen mit den Teilnehmern diese Aspekte vertieft. Diese Form der Diskussion hatte sich im 1. Modul bewährt und wurde auch beim 2. Modul sehr positiv bewertet. Der Nachmittag war dem Thema „Phytotherapie bei Harnwegsinfekten und Benigner Prostatahyperplasie“ gewidmet. Die erfahrene Urologin Frau Dr. Sigrid Tapken (Urologische Privatpraxis Bonn) hält die Phytotherapie für eine vertretbare Option, wenn ansonsten gesunde Frauen an einer Blasenentzündung erkranken. Bei unkomplizierter Zystitis ist eine Extraktkombination aus Rosmarinblättern, Tausendgüldenkraut und Liebstöckelwurzel hilfreich. Diese Kombination wirke in vitro spasmolytisch, antiphlogistisch, antibakteriell, diuretisch und antioxidativ. Zur Linderung von Beschwerden bei akuten entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege hat sich auch eine Fixkombination aus Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel bewährt. Im zweiten Vortrag berichtete die Ärztin über ihre Erfahrungen mit pflanzlichen Arzneimitteln bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH).

Am dritten Tag stand das Thema „Phytopharmaka bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ auf der Agenda. Die Schwerpunkte des Referates von Frau Prof. Nieber waren Wirkungsmechanismen und klinische Studien zu Weißdorn-Extrakten beim alternden Herz. Aber auch auf mögliche Wirkungsmechanismen von Besenginster, Herzgespannkraut, Wolfstrappkraut und Knoblauch ging die Referentin ein. Den Abschluss des 2. Moduls bildete der Vortrag „Anbau, Verarbeitung und Qualitätssicherung von Arzneipflanzen – Basis für die Herstellung moderner Pflanzenextraktzubereitungen“ von Herrn Dr. Björn Feistel (Leiter der Abteilung Produktentwicklung, Finzelberg GmbH & Co KG, Andernach). Er erklärte an Hand von informativen Bildern und Schemata die Prozesse der Gewinnung und Verarbeitung von Rohmaterialien bis hin zur Extraktcharakterisierung und Qualitätssicherung. Im Anschluss beantwortete auch er viele Fragen der Teilnehmer, die ein sehr großes Interesse an diesem Themenkomplex hatten.

Das 2. Modul der Fortbildungsreihe der GPT war insgesamt wieder sehr erfolgreich, was durch eine Evaluation der Teilnehmer bestätigte wurde. An allen Tagen herrschte eine aufgeschlossene, freundschaftliche Atmosphäre zwischen Referenten und Teilnehmern, die geprägt war von intensiven Gesprächen und Erfahrungsaustausch. Von den Teilnehmern wurde mehrheitlich ausgedrückt, dass sie sich auch für das 3. Modul anmelden werden, das vom 11.-13.03.2016 wieder in Much/Bergisches Land stattfinden wird. Themenkomplexe werde Atemwegserkrankungen, Immunsystem und Phytopharmaka in der Tumortherapie sowie Aspekte der Durchführung und Bewertung von klinischen Studien sein.

Weitere Informationen zum 3. und 4. Modul finden sich demnächst auf der Homepage der GPT unter www.phytotherapie.de.

Prof. Dr. Karen Nieber, Cornelia Schwöppe